Mediation

Mediation

Bei der Mediation handelt es sich um ein strukturiertes Verfahren, in dem die Konfliktparteien (mindestens zwei) mit Hilfe einer neutralen und allparteilichen Person, die wir Mediatorin oder Mediator nennen, eine außergerichtliche Konfliktlösung herbeiführen." Der Wortstamm des Begriffs Mediation findet sich sowohl im Griechischen wie auch im Lateinischen. Der Wortkern Mediatio leitet sich von dem lateinischen Adjektiv medius ab und bedeutet "zwischen zwei Ansichten oder Parteien die Mitte halten, einen Mittelweg einschlagen, sich neutral verhalten".
Der wichtigste Bestandteil der Mediation ist die komplette Eigenverantwortlichkeit der Streit- bzw. Konfliktparteien. Die Mediatorin oder der Mediator trägt bei dem Mediationsverfahren die Verantwortung für die Strukturierung des Mediationsprozesses, während die Konfliktparteien die Verantwortung für die Inhalte eben dieses Prozesses tragen. Hintergrund ist, dass die beteiligten Konfliktparteien die Inhalte und bestenfalls auch die Lösung ihres Konfliktes am ehesten selbst erkennen und bearbeiten können.
Die Mediatorin oder der Mediator strukturiert den Ablauf des Verfahrens und gibt als neutrale und allparteiliche Person mit verschiedenen Kommunikationstechniken Hilfestellung im Konfliktlösungsprozess, hat jedoch keine Entscheidungsbefugnis. Der Prozess der Mediation ist lösungsorientiert und setzt den Fokus in der Zukunft, ganz anders als die Vorgehensweise nach der juristischen Methode. Sie beinhaltet ein Anspruchsdenken, welches sich mit der Frage: "woraus?" auf die Anspruchsorientierung der Juristen bezieht. "Wer kann was von wem woraus verlangen". Hierbei werden komplexe Lebenssachverhalte auf rechtsrelevante juristische Sachverhalte reduziert und im anschließenden juristischen Verfahren von einer dritten Person, der Richterin oder dem Richter, entschieden. Die juristische Methode fragt nach der Vergangenheit und interessiert sich nicht für die Beziehungskonstellation der Konfliktparteien. Diese Methode kennt nur Gewinner und Verlierer im Prozessgeschehen.Bestenfalls kann ein gerichtlicher Vergleich geschlossen werden, der aber nicht interessenorientiert, sondern in einem
anspruchsorientierten Kompromiss mündet.

Die Mediation sucht nach Interessen hinter den Positionen der jeweiligen Konfliktparteien und wird in einem komplett freiwilligen Verfahren konsensorientiert durchgeführt. Das Mediationsverfahren kann von einer oder auch mehreren Konfliktparteien initiiert, oder beauftragt werden. Maßgeblich ist, dass im Gegensatz zur juristischen Methode die Freiwilligkeit zur Teilnahme am Mediationsverfahren gegeben ist. Diese Freiwilligkeit ist wegbereitend für die konfligierenden Parteien und führt sie aus einer Sackgassen-Situation hin zu Lösungsmöglichkeiten, die in der sogenannten Win-Win-Situation (Gewinn-Gewinn-Situation) liegen. Die Parteien haben am Ende ihres Mediationsprozesses beide ein Mehr an Lösungsmöglichkeiten, können durch dieses Verfahren den "Kuchen" anders aufteilen oder sogar vergrößern, und es ist eine Beilegung und Befriedung des Konfliktes zu erwarten. Die Mediation löst nicht nur Konflikte, sondern sie befähigt im besten Fall auch die Mediandinnen und Medianden, zukünftigen Konfliktsituationen adäquater zu begegnen.

Die theoretischen Grundlagen der Mediation haben ihren Ursprung u.a. in dem "Harvard-Konzept"; dieses beinhaltet, dass Konfliktparteien unterschiedliche Positionen einnehmen, hinter denen sich oft Ängste, Sorgen und Wünsche verbergen. Diese Positionen sind meistens Indizien für Interessen. Diese Interessen wiederum motivieren das Verhalten von Menschen und fußen auf menschlichen Grundbedürfnissen wie Sicherheit, wirtschaftliches Auskommen, Zugehörigkeit, Anerkennung und Selbstbestimmung. Wenn hinter den eingenommenen Positionen die Interessen herausgearbeitet werden, beginnt in der Mediation der Lösungsvorgang.

Die Mediation kann in vielen Bereichen angewandt werden. Klassische Anwendungsfelder sind: Familienmediation, Wirtschaftsmediation, Umweltmediation, Nachbarschaftsmediation, Schulmediation, um nur einige zu nennen. Das Strafrecht findet im Täter-Opfer-Ausgleich gesetzliche Grundlagen für Mediation.

Dauer und Kosten eines Mediationsverfahrens sind im Vergleich zur juristischen Intervention um ein vielfaches geringer.
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